Terra Preta – Die fruchtbarste Erde der Welt
Im kleinen Dorf Riedlingsdorf wird große Geschichte geschrieben. Das Geheimnis der Ureinwohner des Amazonas, die es verstanden die sogenannte Terra Preta (schwarze Erde) herzustellen, die durch ihre Fruchtbarkeit das Überleben riesiger Völker sicherte, ist Ziel der Forschungsarbeiten von Gerald Dunst.
Der Schlüssel der Terra Preta liegt in ihrer unendlichen Fruchtbarkeit durch die Beimengung von Holzkohle. Außerdem hat diese Erde die einzigartige Eigenschaft, dass sie ihren Nähstoffgehalt im Laufe der Zeit von selbst erhöht. Durch die Speicherfähigkeit der Holzkohle verhindert die Terra Preta fast vollständig das Auswaschen von Nährstoffen aus dem Boden. Eine zweite, ihr nach gesagte Eigenschaft ist, dass sie angeblich ‚nachwächst‘, weil organisches Material, das auf den Boden fällt die Erde „ernährt“ sodass sich diese regenerieren kann.
Gemeinsam mit der Universität Bayreuth forscht Gerald Dunst bereits seit zwei Jahren an der richtigen Zusammensetzung der „Schwarzen Erde“.
„Unser Forschungsschwerpunkt liegt momentan in der biologischen Aktivierung der Holzkohle. Denn nur in Verbindung mit den richtigen Mikroorganismen und dem richtigen Nährstoffverhältnis kann die beigefügte Kohle ihre faszinierende Wirkung entfalten,“ erklärt Dunst. Die Produktion der Holzkohle selbst wird in einer speziell dafür entwickelten Pyrolyse- Anlage stattfinden, die neben der Kohle auch noch Strom und Wärme produziert.
Wo soll nun die Terra Preta nach der sich bereits dem Ende zuneigenden erfolgreichen Testreihe ihre Anwendung finden?
Dunst: „Unser Ziel ist es im kommenden Jahr die Erde in Kleinmengen für Privatkunden in den Handel zu bringen z.B. für den hauseigenen Gemüsegarten. Die Pflanzen gedeihen besser, kräftiger und bleiben gesünder, weil die Holzkohle Schädlinge wie Pilze bekämpft und somit vorbeugend als eine Art Pflanzenschutzmittel hilft. Diese Erde kauft man sich einmal und sie hält nicht nur ein ganzes Leben lang vor sondern vermehrt sich auch ständig. Auch ihr Nährstoffgehalt steigt permanent an. Das ist für mich das faszinierende an der ganzen Sache.“
Die Entdeckung der Terra Preta im Amazonas ist ein Beispiel dafür, dass die Archäologie auf ihren Grabungen in der Vergangenheit auf eine altertümliche Technik stieß, die zu einem wesentlichen Anstoß für die Lösung eines entscheidenden Problems der Gegenwart werden könnte. „Eine derartige Erde für die Landwirtschaft in großem Rahmen einzusetzen würde einen immensen Fortschritt bedeuten. Zur Zeit sind die Nährstoffverluste eines der Hauptprobleme in der Agrarwirtschaft. Ein System wie die Terra Preta, dass die vorhandenen Nährstoffe im Kreislauf erhält wäre revolutionär,“ zeigt sich Dunst begeistert.
Die „Schwarze Erde“, ist das Vermächtnis einer längst untergegangenen Kultur. Und sie könnte auch zur Chance für eine neue, natürliche Landwirtschaft werden - dank Idealisten wie Gerald Dunst.
Geschichte der Terra Preta
Die Wissenschaft vertrat lange Zeit die Meinung, dass die Ansiedlung großer Zivilisationen im Amazonasgebiet unmöglich war, da die Humusschicht der Böden zu dünn sei um eine Nahrungsmittelversorgung für ganze Städte zu gewährleisten. Die Berichte des spanischen Konquistadoren Orellana von blühenden Städten hielt man für Legenden. In den 1960er Jahren stieß man in diesem Gebiet auf die Überreste einer großen Zivilisation. Bei neuerlichen Bodenuntersuchungen entdeckte man die sog. Terra Preta, einer künstlich erzeugte Schwarzerde. Die Ureinwohner hatte es verstanden aus Holz, tierischen und pflanzlichen Abfällen Kohle herzustellen und durch Vermischung mit den nährstoffarmen Böden eine extrem fruchtbare Erde erhalten.




